Kurzfassung

Aikido wurde anfangs des 20. Jahrhunderts vom Japaner Morihei Ueshiba entwickelt und ist somit noch eine relativ „junge“ japanische Kampfkunst. AI bedeutet Harmonie, Ki Lebensenergie und Do bedeutet Weg.

Man lernt die Kraft des Angreifers aufzunehmen und umzuleiten, um den Angreifer mit seiner eigenen Kraft zu Boden zu führen. Dazu wendet man verschiedene Griff-, Wurf- und Hebeltechniken an. Weiter gehören auch Atmungs-, Imaginations-, Mediations- und Präsenzübungen dazu.

 

Es ist sehr wichtig, den Angreifer nicht verletzten wollen. Es ist das höchste Ziel, eine Haltung und eine physische sowie geistige Präsenz zu entwickeln, die es ermöglicht, in jeder Situation einem Angriff so zu begegnen, dass keine Kampfsituation entstehen kann.

Was schult Aikido alles?

Aikido ist eine ganzheitliche japanische Kampfkunst, bei der sowohl körperliche, als auch mentale Fähigkeiten geschult werden und zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt. Sie fordert und fördert unsere psychologischen und geistigen Entwicklungen und Fähigkeiten. Eine Kampfkunst beeinflusst uns in allen Bereichen unseres Lebens positiv und unterstützt die positiven Faktoren unseres Charakters.

Da Aikido eine ganzheitliche Kampfkunst ist, kann man sie auch als eine Lebensweise annehmen, welche einem lehrt, glücklicher zu leben, wirklich zu lieben und inneren Frieden und Ruhe zu finden.

Zu dieser Kampfkunst gehört auch, seine Emotionen zu erkennen und mit ihnen umgehen zu können. Mit Aikido kann man einen ruhigen Geist und die innere und äussere Zentriertheit erarbeiten, auch im Angesicht eines Kampfes (um Leben und Tod).

 

Kurz zusammengefasst ist Aikido eine Schulung für:

  • Koordination

  • Gleichgewicht

  • Beweglichkeit

  • Haltung

  • Fitness

  • Ausdauer

  • Körperbeherrschung

  • Körperwahrnehmung

  • Kraft

  • ​Körperlicher & mentaler Ausgleich &

  • Körperliche & mentale Flexibilität

  • Gelassenheit

  • Selbstvertrauen

  • Konzentration

  • Bewusstheit/Bewusstsein  

  • Reaktionsgeschwindigkeit 

  • Gesundheit

  • Entspannung                                

      ..... 

O-Sensei

Welchen Einfluss hatte die Lebensgeschichte von Morihei Ueshiba (Gründer des Aikidos) auf das Aikido und dessen Philosophie? Mit der etwas ausführlicheren Biografie von Morihei Ueshiba, soll ein besseres und grösseres Verständnis für die Entstehung und Entwicklung von Aikido, sowie die Hintergrundgedanken und die Philosophie des Gründers entstehen.

Morihei Ueshiba wurde am 14. Dezember 1883 in Tanabe, einem Fischer- und Bauerndorf als einziger Sohn von vier Kindern geboren. Der Geburtsort von Morihei Ueshiba war bekannt, das „Tor zur göttlichen Welt“ zu sein. Viele bedeutende Schreine und heilige Stätten befanden sich dort. Morihei wuchs von Anfang an mit dem Übernatürlichen und Mystischen auf, welches in Tanabe allgegenwärtig war.

Im Alter von sieben Jahren schickte sein Vater ihn zu einem Priester in die Tempelschule im Ort, um chinesische Altphilologie zu studieren. Dort lernte er auch umfangreiche Rituale, Visualisierungen, Kunst, Musik und eignete sich Wissen über den eigenen Körper, sowie viele Mantra aus dem Sanskrit und spektakuläre Zeremonien aus dem Shingon-Buddhismus an. Auch lernte er Sumo und Schwimmen und kräftigte allmählich seinen Körper Diese Zeit und diese Erfahrungen prägten Moriheis Denken stark. Nach dem erfolgreichen Abschluss an der Abakus Akademie reiste er mit 18 Jahren nach Tokyo. Während seiner Zeit in Tokyo fand er seine Liebe zu den Kampfkünsten. Dort begann er das Kenjutsu und Jiu-Jitsu Studium unter Takisaburo Taobari. Als er wegen der schlechten Ernährung an Beriberi erkrankte (eine Vitaminmangelerkrankung), kehrte er zu seiner Familie nach Tanabe zurück. Im Jahre 1902 nahm er Hatsu Hogawa zur Frau. Zwei Jahre später meldete er sich als Freiwilliger zu den japanischen Streitkräften und wurde in Osaka stationiert. In der Armee tat er sich mit einer erfolgreichen Karriere hervor. Im russisch-japanischen Krieg war er 1 ½ Jahre in China stationiert.

Nach seiner regulären Entlassung aus der Armee, war er krank und deprimiert durch die vom Krieg ausgelöst Konfrontation mit dem Tod und der Zerstörung. Eine entscheidende Erfahrung für die spätere Entwicklung von Aikido. Während seiner Militärzeit trainierte er weiterhin Jiu-Jitsu unter Masaktsu Naki. Dieser bleibt auch nach seiner Entlassung beim Militär sein Lehrer.

Inzwischen hatte Moriheis Vater auf dem Familiengrundstück eigenhändig ein Dojo erbaut und lud den damals berühmten und erfolgreichen Judoka Kiyoichi Takagi als Lehrer in sein Dojo ein, damit Morihei sich von ihm unterrichten lassen konnte. Der fleissige junge Morihei trainierte täglich hart und fleissig und vergrösserte somit auch sein Wissen und sein Können in den klassischen Kampfkünsten.

Wenn man sich O-Sensei (ein Ehrentitel für Begründer von Kampfkünsten) heute auf Fotos oder in Videos anschaut oder Geschichten über ihn liest oder hört, könnte man fast meinen, dass er schon immer ausgeglichen war und Ruhe und Frieden in seinem Innern empfand. Doch dem ist nicht so. O-Sensei fühlte sich in seinen jungen Jahren, besonders nach dem Krieg, geistig sehr unausgeglichen, wenn nicht sogar gequält. Im Alter von 36 Jahren fand eine sehr bedeutende Begegnung mit Onisaburo Deguchi, dem Mitbegründer der Glaubensrichtung Omoto-kyo, statt. Eine Begegnung die Morihei bis zu seinem Tod geprägt hat, denn die beiden Männer hatten eine sehr reichhaltige und positive Beziehung zu einander. Besonders nach dem Tod seines Vaters 1920 war er auf der Suche nach einem spirituellen Leben. Er liess sich von Onisaburo dabei leiten und war im stets treu ergeben. Die beiden hatten eine tiefe Hochachtung füreinander.

Morihei übte auch alleine Lanzen- und Schwerttechniken und erprobte unaufhörlich neue Bewegungsabläufe. Ungefähr 1929 kam der 46jährige Morihei immer mehr vom klassischem Stil des Jiu-Jitsu ab und widmete sich seiner neuen Lebensaufgabe: Seinen eigenen Weg zu finden und zu entwickeln. Er wollte sich unabhängig machen und entwickelte seinen ganz eigenen Stil von Kampfkunst. Diesen nannte er Aiki-Bujutsu. Die Verfeinerung seiner Kampfkunst führte er bis zum Tag seines Todes weiter. Durch diese Vertiefung trat die spirituelle Entwicklung immer mehr in den Vordergrund und formte und beeinflusste somit auch die Techniken. Um das Jahr 1921 tauchte die heute gebräuchliche Bezeichnung für Ueshibas Kampfkunst zum ersten Mal auf: Aikido.

Am 26. April 1969 verstarb O-Sensei im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit an einem Leberkarzinom.

Philosophie

Es ist sehr schwer die Essenz dieser beiden Kampfkünste in Worten zu erfassen.

Wie oben in der Kurzfassung schon erwähnt ist Aikido ist eine ganzheitliche Kampfkunst. Dies bedeutet, dass man sich nicht nur körperlich stärkt und weiterentwickelt, sondern beinhaltet ebenso die mentale Weiterentwicklung, sowie die Persönlichkeitsentwicklung etc. Das (harte) physische Training war für Morihei Ueshiba nur Mittel zum Zweck. Er wollte mittels der Kraft des Geistes, sowohl das Physische als auch das Mentale vereinen. Oder anders gesagt, Körper und Geist sollten (wieder) vereint werden, wie es dem Ursprung entspricht. Das Handwerk wird zum Körperwerk und schliesslich zum Geisteswerk.

 

Durch den Kriegseinsatz entwickelte sich Morihei zu einem friedfertigen Menschen, der geprägt durch die Kriegserfahrung, das Ziel vor Augen hatte, eine Kampfkunst zu erschaffen, welche nicht Zerstörung oder sogar den Tod mit sich bringt. Um die Tiefgründigkeit von O-Senseis (jap. «grosser Meister») Aussage zu verstehen und sie auch im Sinn des Aikido zu leben, braucht es viel Übung, Erfahrung und Verständnis. Etwas, was sehr schwer in Worten zu fassen und zu erklären ist.

Das eigentliche Ziel im Aikido ist, eine geistige und mentale Haltung und eine solch physische Präsenz zu entwickeln, welche es ermöglicht, in jeder Situation einem Angriff so zu begegnen, dass keine Kampfsituation entstehen kann. 

Im Aikido gibt es keinen Gedanken an Sieg oder Niederlage. Deshalb gibt es auch keine Wettkämpfe. Dies würde der Philosophie von Aikido nicht entsprechen.

Jedoch gibt es Prüfungen bzw. Gradierungen. Alle lernen  miteinander und voneinander.

Die Philosophie des Aikidos wird mit diesem Zitat deutlich veranschaulicht:

„O-Sensei sagte, dass der Zweck des Aikidos nicht darin liegt jemanden anzugreifen oder zu zerstören, sondern sich selbst zu schützen. Der Geist des Aikidos ist immer der Geist des Beschützens und nicht des Konflikts.“  - Guji Munetaka Kuki

Prinzipien

O-Sensei betonte immer wieder, dass sein Stil keiner schon bestehenden Schule angehört, sondern auf dem Prinzip der natürlichen Bewegungen, die er unabhängig entwickelt hat, basiert. 

Die Grundprinzipien besehen daraus den Angreifer aus dem Gleichgewicht bringen und die dessen Angriffskraft durchlassen und aufzunehmen bzw. für sich zu nutzen. 

​„Mein Meister sagte immer: Solange du dich gut fühlst und sicher stehst und das Prinzip immer noch Aikido ist, ist alles richtig.“ Das hängt damit zusammen, dass jeder Mensch von der Struktur, Körperbau, Masse, Gelenkigkeit etc. anders ist. Daher lässt sich auch nicht verallgemeinern, was  richtig oder falsch ist. Das muss im Endeffekt jeder für sich selbst herausfinden, ohne dabei die Prinzipien des Aikido aus den Augen zu verlieren.“  - Susan Pery –

Man muss sich nicht auf alle Prinzipien konzentrieren, um Geit und Körper vereinigen zu können, ganz im Gegenteil. Da die Prinzipien alle dasselbe Ziel haben, braucht man nur eines zu befolgen. Wenn man eines der Prinzipien befolgt, befolgt man automatisch auch die anderen und umgekehrt.

Prinzipien:

 

Den Einen Punkt halten

Der eine Punkt ist ca. drei Finger unter dem Bauchnabel. Unseren Geist sollte man in diesem Punkt sammeln. Wenn man den einen Punkt im Unterbauch mit dem 3. Auge (Punkt zwischen den Augenbrauen) verbindet, findet man seine eigene Mitte. Um seinen Geist unendlich ruhig werden zu lassen, kann man den Einen Punkt in Gedanken immer weiter verkleinern, bis man ihn sich nicht mehr vorstellen kann.

Das Gewicht unten halten

Nach dem Gesetzt der Schwerkraft, weisst das Gewicht aller Dinge Richtung nach unten, wenn dies nicht so ist, haben wir Spannungen im Körper. Oft vergisst man dies, da es eines der natürlichsten Dinge ist.

 

Ki fliessen lassen

Ki ist Lebensenergie, die Grundeinheit von allen Lebewesen. Ki ist die unendliche Menge kleinster Teilchen. 

Es wird unterschieden von persönlichen Ki und Ki des Universums.

Man tauscht sich ständig mit dem Ki des Universums aus. Je mehr Ki man abgibt, umso mehr Ki kann man wieder aufnehmen. Wenn dieser Austausch jedoch behindert ist, entsteht Vitalitätsverlust, Depressionen, oder ein allgemein schlechter Gesundheitszustand.

Um eins zu werden mit dem Ki des Universums muss man zuerst Geist und Körper vereinigen.

 

Timing

Timing ist die Koordination von den einzelnen Körperbewegungen mit einer maximalen Wirkung. Die Voraussetzung für grösst mögliche Präzision ist das Timing. Ohne dies entsteht keine Präzision und für das wirkliche Gelingen einer Technik, ist dies essentiell.

 

Richtige Distanz (Ma Ai)

Die richtige Distanz zum Angreifer ist ca. eine Armlänge. Ein gutes Distanzgefühl ergibt automatisch auch ein verbessertes Timing.

Richtige Atmung

Am besten durch die Nase ein- und ausatmen.

Bei Bedarf wie z.B. unter grosser Belastung, kann man auch durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen. Wichtig ist nie durch den Mund ein zu atmen. Die Nase hat wichtige Funktionen wie z.B.: Filterfunktion, Wärmeregulation, Befeuchtung der Atemluft.

Haltung

Um möglichst flexibel zu bleiben, sollte man etwas in die Knie gehen und den unteren Rücken bzw. das Becken fallen lassen, damit der Rücken ganz gerade ist. Die Körperhaltung sollte immer natürlich und entspannt sein.

 

Entspannung

Wahre Entspannung ist der stärkste Zustand, welcher durch Muskelkraft nie übertroffen werden kann. Entspannung heisst jedoch nicht Erschlaffung, dies wäre der schwächste Zustand. Durch Entspannung entsteht automatisch auch Geschwindigkeit.

Den Partner/Angreifer sollte man so entspannt und sanft wie möglich halten. Wenn man den Partner zu fest festhält, überträgt man Informationen, welche das Gegenüber zu seinem eigenen Vorteil nutzen kann.

Widerstandslosigkeit und Nachgeben

Selbst der stärkste und grösste Baum biegt sich im Wind, ohne dabei umzufallen. Dies beschreibt genau die Haltung gegenüber dem Angriff, der auf uns zukommt. Anstatt sich gegen den Angriff zu wehren und zu versuchen, Widerstand zu leisten, sollte man der natürlichen Richtung der Bewegung folgen und diese ausnutzen. Wahre Entspannung entsteht dann, wenn wir uns der Situation anpassen und uns dem nicht widersetzen, was ist. Stets das Beste daraus machen, was auf einen zukommt. Es ist eine Kunst, das Gesetz der Widerstandslosigkeit anzuwenden und trotzdem stark wie ein Baum zu sein.  

Konfrontationslosigkeit

„Wer einen Menschen beherrschen will, ist schon besiegt.“ - Unbekannt

Man sollte sich mit einem Angreifer bzw. einem Angriff nicht konfrontieren. Konfrontationslosigkeit beinhaltet einen offenen Blick zu haben. Damit ist gemeint, dass man nichts mit den Augen fixiert, insbesondere nicht den Angreifer bzw. auch den Angriff des Gegenübers nicht. Man sollt alles um sich herum wahrnehmen.

 

Zentrierung / Gleichgewicht

Hiermit ist nicht nur die körperliche Zentrierung und Gleichgewicht gemeint, sondern auch die psychische Stabilität.

Als erstes muss man sich selbst und die eigenen Bewegungen kontrollieren können, bevor man diejenigen des Gegenübers führen kann. Um einen Angreifer kontrollieren bzw. führen zu können, muss man in seinem psychischen und physischen Zentrum sein.

 

Körperwissen und Wissen aus seinem Inneren

Verstehen ist eindimensional und beinhaltet Intellekt (Kopf). Doch Erkennen ist dreidimensional und beinhaltet sowohl den Kopf, aber auch unsere Intuition. Von Anfang an lernen wir Informationen von aussen aus zweiter Hand zu sammeln. Doch diese Art der Informationsbeschaffung führt dazu, dass wir mit der Zeit vollgestopft sind mit lauter Informationen und Vorurteilen. Man glaubt alle möglichen Fakten, doch wirklich wissen tut man nur sehr wenig. Der Weg beginnt damit, sich von allem zu befreien und sich von allen Informationen, Vorurteilen und Verhaltensmuster zu lösen.

 

Emotionen und Gedanken

Wir sollten aufhören, ständig auf der Flucht von negativen Gedanken oder Gefühlen zu sein und auf die richtigen Gefühle und Gedanken zu warten. Stattdessen sollten wir uns mehr auf unseren Körper und unsere Handlungen konzentrieren und unsere Gedanken und Gefühle einfach durch uns hindurch fliessen lassen. Sie sollen unser Handeln nicht beeinflussen und wir sollten  nicht von ihnen beherrscht werden. Das heisst nicht, dass man sie unterdrücken soll, ganz im Gegenteil, man soll sie durch und durch leben, sie kraftvoll und vollständig ausdrücken, aber danach solle man sie wieder vollständig loslassen und ihnen nicht anhaften. Mit dieser Haltung gewichtet man seine Gedanken nicht mehr so stark und sie haben keine Macht über uns. Das Ziel ist es, die Welt um uns herum, ohne Einmischung von Gedanken, wahrzunehmen. Nicht unsere Gefühle und Emotionen müssen wir ändern, sondern unser Verhalten und unsere Handlungen. Wir dürfen unsere Gedanken nicht mit der Wirklichkeit verwechseln.

 

Klarheit

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Klarheit. Alles, was wir tun und entscheiden sollte zielgerichtet sein. Mit den Entscheidungen, welche wir treffen, müssen wir leben und zwar ohne Reue. Wenn wir Entscheidungen fällen, müssen wir uns immer den Konsequenzen bewusst sein. Ein chinesisches Sprichwort lautet:

„Wen du sitzt, dann sitze. Wenn du stehst, dann stehe. Was du auch tust – niemals schwanken!“ 

 

Sterben, bevor man stirbt

Was auf den ersten Blick abstrakt tönt, ist etwas essentielles für die gesamte Entfaltung unserer Fähigkeiten und Potentiale. Es ist nicht das Sterben im körperlichen Sinne gemeint. Sterben bevor man stirbt, beschreibt das Loslassen des „Ichs“, des Egos in uns. Man hat jeglichen Gedanken losgelassen und wird frei, spontan und lebendig, ohne Angst, Ehrgeiz oder Hemmungen.

 

Das Hier und Jetzt/Präsenz

Eine weitere Kunstform ist, im Augenblick zu leben. Einer der wichtigsten Eigenschaften im Angesicht eines Kampfes. Wo befinde ich mich? Hier. Welche Zeit haben wir? Jetzt. Diese zwei Fragen führen uns von den Gedanken an die Vergangenheit oder der Zukunft weg, in den jetzigen Augenblick. Denn Gedanken existieren nur in der Zukunft oder in der Vergangenheit, genau wie unsere Probleme. Man sollte vollkommen präsent sein und alles um sich herum wahrnehmen. 

Technik

Die heutigen gebräuchlichen Namen der Techniken, wurden nicht von O-Sensei benannt, denn er lehrte nur (mögliche) Formen. Es liegt in der Art des Menschen, Dinge zu benennen und in Kategorien einzuteilen. Das bedeutet, dass die Menschen anfangen, die Techniken immer auf die genau gleiche Art und Weise auszuführen. Dadurch geht die Kreativität und der Erfindergeist verloren und man führt die Techniken mit der Zeit nur noch blind und monoton aus. Doch darum geht es nicht im Aikido.

Mitsugi Saotome sagte einmal:

„Oft lernen Menschen „Aikido“, aber sie lernen nicht „Aikido“. Sie trainieren diese oder jene Technik und denken dabei: „Das ist die richtige Form ,diese Technik ,oder nur genauso ausgeführt, ist es korrekt. Das ist Unsinn. Anstatt die Techniken zu Übungszwecken voneinander zu unterscheiden, müssen wir lernen ihre Gleichartigkeit zu sehen, die Anwendung des gleichen Prinzips, das gleiche philosophische Resultat. Es gibt keine genau vorgeschriebene perfekte Technik; jede Technik, welche man ausführt, ist korrekt, wenn sie spontan, gewissenhaft und in Harmonie mit der jeweiligen Situation ausgeführt wird. Denn für jede einzelne Situation ist Grad und Richtung der Energie unterschiedlich: Deine Position ist jeweils eine andere. Deine Gefühle sind jeweils andere; deshalb muss die Anwendung auch jeweils eine andere sein.“

„Im Aikido gibt es keine Techniken. Dass soll heissen, dass die Bewegung in natürlichen Prinzipien wurzeln und nicht in abstrakten oder starren Regeln. Lerne eine einzige Technik und erarbeite damit 10 oder 20 neue. Aikido hat keine Grenzen.“  - O-Sensei –

 

Aikido wird trotzdem in klar festgelegten Technik- und Angriffsformen geübt, um sich Schritt für Schritt auf alle Situationen vorzubereiten. Trotzdem darf man keinesfalls die Kreativität und die unzähligen Möglichkeiten vergessen. Vor allem nachdem man einige Jahre Aikido praktiziert hat und die Techniken in ihrer Grundform versteht und ausführen kann, kommt die Kreativität besonders zum Tragen und man sollte auch beginnen, seinen „eigenen Stil“ zu entwickeln

Bokken & Jo

​Morihei Ueshiba fühlte sich angezogen von den Prinzipien der herkömmlichen Kampfkünste und machte das Jo sowie auch das Bokken zum festen Bestandteil des Aikido-Tainings. Das Jo und das Bokken sollten nicht als Fremdkörper betrachtet werden, sondern als Veränderung des Armes und damit als Veränderung der normalen und natürlichen Bewegungen des Körpers, insbesondere der Arme.

Bokken:

Das Bokken ist dem traditionellen Stahlschwert nachgebildete und besteht aus Holz. Die Entstehung ist in das 14. Jhr. zurück zu führen.

Damals brauchte man eine Übungswaffe, mit dieser man die Fechttechniken des Katanas (Stahlschwert) mit grösster Sicherheit üben konnte. Zudem wollte man die teuren und empfindlichen Stahlklingen des Katanas nicht beim Üben beschädigen und schonen. So kam es, dass man das Bokken, eine praktische Übungswaffe aus Holz erfand.

 

Jo:

Das Jo ist ein ca. 1.28m langer Holzstock. Diese Länge ermöglicht Beweglichkeit und hat einen Längenvorteil gegenüber dem Schwert (Katana).

Das Jo wird als Nahkampfwaffe verwendet.

Im Jahre 1588 wurde für ganz Japan ein Waffenverbot ausgesprochen.

Das Jo fiel nicht unter dieses Gesetz und war eines der wenigen legalen Mittel für die einfache Bevölkerung, um sich bei Übergriffen ect. verteidigen zu können.

Durch das Waffenverbot kam es zu einem Aufschwung des Jo’s. Später wurde es sogar zur zusätzlichen Waffe der Samurai.

 

Dadurch, dass das Jo weder eine Klinge, noch eine Spitze hat, ist es beidseitig verwendbar und ermöglicht Flexibilität, sowie eine hohe Variantenvielfältigkeit.

 

Muso Gonnosuke, einer der grössten Stockfechter, prägte die Entwicklung des Jo-Jutsu im frühen 17. Jahrhundert sehr stark, indem er Bewegungsabläufe, sogenannte Katas, des Bo-Jutsu mit denen des Ken-Jutsu kombinierte und daraus verschiedene Grundübungen für das Erlernen des Umgangs mit dem Jo, entwickelte.

 

Eine weitere Person, welche das Jo-Jutsu weiterentwickelte, war Morihei Ueshiba, der Begründer des Aikido. Morihei betonte jedoch v.a. die Kreativität des Jo’s und zeigte seinen Schülern deshalb auch keine starr, festgelegten Übungen vor. Dieselbe Kreativität kann man auch im Umgang mit dem Bokken anwenden.

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Yukana Dojo - Aikido Winterthur
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